Das Überall-Netz – Wird mobiles Internet zur DSL-Alternative?

Internet-Stick USB Wie wichtig das Internet in meinem Alltag geworden ist, merke ich immer erst – Überraschung – wenn es nicht verfügbar ist. Um Extra-Kosten zu vermeiden, hatte ich die Datenverbindung meines Handys im Urlaub abgeschaltet und meinen Internet-Stick in der Tasche gelassen. Also sah ich mich auf einmal besonderen Herausforderungen gegenüber gestellt: Wie finde ich das passende Restaurant für den Abend? Wie wird das Wetter? Welches Museum hat welche Ausstellung? Wie waren noch einmal die Öffnungszeiten des Supermarktes und hatte der auch sonntags geöffnet? Es ist noch gar nicht lange her, da sprangen wir von Café zu Café, der Milchkaffee wurde da getrunken, wo das W-LAN kostenlos war. Heute gibt es deutlich bessere Alternativen, die auch das Nachrichtenlesen von der Parkbank aus erlauben. Worauf kommt es aber beim mobilen Internet an? Vertrag oder Prepaid? Was bedeutet “maximal 7,2 Mbit/s”?

Wer ist der Schnellste im ganzen Land?

Viele Provider werben mit bis zu 7,2 Mbit/s Übertragungsrate. Aber wovon hängt der Zusatz “mit bis zu” ab? Zum einen ist für die Geschwindigkeit der qualitative Ausbau des jeweiligen Mobilfunknetzes verantwortlich. Also wie modern sind die Antennen, die allerorts auf Häusern, Türmen und anderen erhöhten Stellen montiert sind. Zum anderen spielt der quantitative Ausbau eine Rolle. Also wie viele Antennen in welchen Abständen aufgestellt sind. Je stärker die Provider in diese Infrastruktur – besonders in den letzten Jahren – investiert haben, desto vielversprechender ist die schlussendliche Verbindung.

In jedem Fall spielt auch die eigene Hardware eine Rolle, also wie hochwertig ist die Technologie des verwendeten Internet-Sticks oder verbauten Moduls im Notebook. Wie auch beim Handyempfang ist die Verbindung umso besser, je weniger Barrieren zwischen der Antenne des Providers und dem eigenen Gerät liegen: Häuserwände, besonders dicke Verglasung oder aber die Geschwindigkeit, mit der man sich bewegt, lassen die Empfangsleistung sinken. Wer vom Zug oder dem Beifahrersitz eines Autos aus surfen möchte, hat unter Umständen eine schlechte Verbindung, da sich das Gerät in immer neue Zellen einbuchen muss.

Die Geschwindigkeitshierarchie

Im Normalfall begegnen dem Nutzer folgende drei Geschwindigkeiten beim Herunterladen von Daten:

  • GPRS (General Packet Radio Service): max. 55,6 kbit/s
  • EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution): max. 236,8 kbit/s
  • UMTS inklusive der Erweiterungen HSDPA und HSUPA: max. 384 kbit/s bei UMTS, max. 7,2 Mbit/s bei HSDPA (theoretisch sind mehr möglich, in Deutschland ist dies jedoch in der Regel der Standard) und HSUPA (welches im Vergleich zu HSDPA lediglich eine bessere Upload-Rate aufweist)

Wenn man bedenkt, dass von SPIEGEL Online oder dem Phonehouse Blog im Schnitt circa 700-900 Kilobyte Daten geladen werden müssen, um die Startseite vollständig anzuzeigen, so braucht ein Browser bei GPRS-Geschwindigkeit locker 15 Minuten. Wer HSDPA im vollen Umfang von 7,2 Mbit/s zur Verfügung hat, kann bereits nach knapp 3 Sekunden auf die gesamte Seite zugreifen.

Diese deutlichen Unterschiede sollte man immer im Kopf behalten, wenn man überlegt, auch zu Hause nur noch über die Mobilfunkverbindung ins Internet zu gehen. Wer Glück hat – vor allem in Großstädten ist der Netzausbau ausgezeichnet – und 7,2 mbit/s zu Hause zur Verfügung hat, surft halb so schnell als mit DSL 16000. Vor allem für den heimischen Gebrauch ist dann neben der Download- auch die Uploadrate interessant, also mit welcher Geschwindigkeit Daten hochgeladen werden können. Je schneller hier die Verbindung ist, desto weniger Zeit benötigt man beispielsweise, um ein Video auf YouTube hochzuladen.

Die Wahl der Hardware

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit dem Notebook oder Tablet PC auf das mobile Internet zuzugreifen. Mehr und mehr Geräte haben einen eigenen Slot für SIM-Karten. Hier muss lediglich die Karte eingelegt werden und die Verbindung über die Software (meist des Herstellers) eingerichtet werden. Mit einer zunehmenden Anzahl an Geräten können auch Micro-SIM-Karten verwendet werden. Diese deutlich kleineren Karten nutzt beispielsweise das iPad von Apple. Hat das eigene Notebook keinen eigenen Slot, schaffen Internet-Sticks Abhilfe. Diese gibt es häufig für einen subventionierten Aufpreis zum Vertrag oder zu der Prepaid-Karte dazu. In der Regel ist die SIM-Karte bereits eingelegt und die benötigte Software wird auf dem Stick mitgeliefert. Eine Installation ist meist in wenigen Minuten und ohne Vorkenntnisse möglich.

Vertragsbindung oder Prepaid-Angebot?

Bei der Antwort auf diese Frage spielt die Häufigkeit der Nutzung und das verwendete Datenvolumen eine entscheidende Rolle. Wer selten surft und/oder wenig Daten herunterlädt, kann getrost auf eine Prepaid-Lösung zurückgreifen. Ob Pre-Paid oder Vertrag hat normalerweise keine Auswirkungen auf die Geschwindigkeit. Wichtig ist bei beiden Varianten jedoch in jedem Fall der Blick auf das Kleingedruckte. Telefonie über das Internet (Voice over IP) beispielsweise mit Skype ist meist untersagt. Besonders die günstigen Anbieter verbieten jedoch auch des öfteren Chats über Instant Messenger wie ICQ oder Microsoft Messenger.

Fazit

Wer sich für das mobile Internet interessiert, sollte sich vorab informieren, wie gut die Netzabdeckung des Providers der Wahl ist. Am besten erstellt man eine Liste der Orte, an denen man sich am häufigsten oder am wahrscheinlichsten aufhält. Dies können der Lieblingspark, der eigene Garten, Firmensitze der Kunden oder der Urlaubsort sein, zu dem man häufig fährt. Eine alternative Übersicht bietet auch die auf Google Maps basierende Open-Source-Lösung speedtrack, bei der Nutzer ihre Erfahrungen veröffentlichen können und man so einen tagesaktuellen Eindruck der Netzabdeckung direkt aus erster Hand bekommt.

UPDATE: Im Clip Tip: UMTS-Surfstick erklärt Funda Öztürk, Auszubildende zur Einzelhandelskauffrau, wie der UMTS-Surfstick unserer Notebook Flatrate (19,95.- €) installiert wird.

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